Erfahren Sie hier mehr über die Mennonitengemeinschaft im Norden Mexikos

Fährt man mit dem Mietwagen durch Mexiko, wird es an einer roten Ampel bestimmt nicht langweilig. Oftmals sorgt ein Verkäufer für Nachschub von Nerven-Nahrung in Form von Bonbons, Lollies, Kaugummies und erfrischenden Getränke. Neben dem leiblichen Wohl wird auch für Unterhaltung durch Jongleure, Clowns und Nachts sogar Feuer-Artisten, gesorgt. Das alles für nur wenige freiwillige Cents, die kurz vor der Weiterfahrt aus dem Fenster gereicht werden können.
Besonders auffällig in dem ganzen Getummel sind jedoch die Menoniten. Verkäufer, die aussehen als seien sie dem Set von “Unsere kleine Farm” entsprungen. Nicht, dass grossgewachsene blonde Menschen, mit heller Haut und Sommersprossen in Mexiko nicht schon genug auffallen: Die Männer tragen riesige blaue Latzhosen, in denen sie ein wenig wie große Kinder wirken; die Frauen und Töchter hingegen sehen aus wie Mary, Laura & Co.: wallende, altertümliche Kleider mit Schürzenschleifen und geflochtene Zöpfe versteckt unter biederen Häubchen. Sie verdienen sich ihr Brot mit dem Verkauf von Keksen und Käse “Queso Menonita“. Wer bereits das Vergnügen hatte und sich fragt was es mit diesen skurillen Menschen auf sich hat? Hier die Antwort.

Die Mennoniten stellen eine Minderheit in Mexiko dar. Im Jahr 2009 gab es weltweit etwa 1,6 Mio. Anhänger dieser Glaubensgemeinschaft. Von diesen leben mit 42 % die meisten in Nordamerika. Es handelt sich um eine evangelische Glaubensgemeinschaft, die aus der Täuferbewegung der Reformationszeit in Deutschland hervorgegangen ist. Bis heute spricht ein großer Teil von ihnen einen niederdeutschen Dialekt. Geschichtlich eng mit den Mennoniten verbunden sind die Amish die sich in den 1690er Jahren im Südwesten Deutschlands, im Elsass und der Schweiz von den Mennoniten abgespalten haben. Die optische Ähnlichkeit ist kaum zu übersehen.
In Cuauhtémoc, ungefähr 82km von der Stadt Chihuahua entfernt, leben ca. 50.000 Gemeindemitglieder in mehr als 200 Dörfern, abgeschnitten von der Zivilisation, völlig autonom, in zwei grösseren Gruppierungen:
Während die konservativen Mennoniten an den alten Traditionen ihrer Vorfahren festhalten, wie zum Beispiel die Ablehnung von moderner Technologie (Strom, Autos und Traktoren werden als Teufelswerk abgelehnt!) und keinen Kontakt zu Nicht-Mennoniten gestatten, erlauben die Gruppen der liberalen Mennoniten den Kontakt zur mexikanischen Bevölkerung und Nicht-Mennoniten und unterstützen zudem eine breitere Schulausbildung.
Die Mehrheit der Mennoniten sind Bauern und stellen verschiedene Landwirtschaftsprodukte her. Bekannt sind die Mennoniten von Cuauhtémoc für ihre Milchprodukte. Der von ihnen hergestellte Käse wird im ganzen Land verkauft. Ausserdem betreiben die sie die größten Apfelplantagen Mexikos und unterhalten Vieh-und Pferdezuchten. Dennoch grassiert die Armut. Durch das Freihandelsabkommen Nafta von 1994 überschwemmt billiges Getreide aus dem Norden den Markt, ein Dürrejahr jagt das nächste, und weil jedes anständige Mennoniten-Paar acht, zehn oder zwölf Kinder auf die Welt bringt, wird das Land knapp. Aus diesem Grund sind viele Gezwungen auch ausserhalb der Gemeinde Geld zu verdienen.